Was ist los in der Welt des Kakaos? Seit September 2022 erleben wir einen deutlichen Preisanstieg. Die Tonne Kakao kostete im März 2023 etwa 3.000 US-Dollar – ein Jahr später rund 10.000 US-Dollar. Was steckt hinter dieser Bewegung, und was bedeutet sie für unsere Schokolade?
Update August 2026: Der Kakaomarkt hat sich etwas entspannt – aber Entwarnung gibt es noch nicht.
Nach den Ernteausfällen ist der Weltmarkt 2024/25 wieder in einen kleinen Überschuss gerutscht: Die ICCO schätzt die Produktion auf 4,723 Millionen Tonnen, bei 4,628 Millionen Tonnen verarbeiteten Kakaobohnen. Das ergibt einen Überschuss von rund 48.000 Tonnen. Im Vorjahr klaffte noch ein Defizit von 492.000 Tonnen.
Auch der Preis ist vom Rekordniveau zurückgekommen. Am 18. August 2026 lag er bei rund 5.950 US-Dollar pro Tonne – deutlich weniger als beim Höchststand Ende 2024, aber weiterhin über dem Niveau von 2023. Neue Wetterprobleme, Krankheiten und alte Plantagen könnten die Preise jedoch wieder nach oben treiben. Und: Börsenpreise kommen nicht sofort bei den Kakaobäuer*innen oder im Schokoladenregal an.
Was treibt die Preise?
Ghana und Côte d'Ivoire erzeugen zusammen über 60 % des weltweit gehandelten Kakaos. Extreme Wetterlagen haben dort zu erheblichen Ernteeinbrüchen geführt. In der Berichterstattung 2023/2024 wurde häufig das Klimaphänomen El Niño genannt, verbunden mit zu viel oder zu wenig Regen. In Ghana folgten auf Trockenphasen starke Niederschläge. Nasse Plantagen begünstigen Krankheiten an den Früchten.
Hinzu kommen der Harmattan, ein heißer, trockener Wind aus der Sahara, sowie alte Kakaobäume, die oft schon seit den 1970er Jahren stehen und anfälliger für Krankheiten wie das Cacao-Swollen-Shoot-Virus sind. Für die Saison vor dem Überschuss 2024/25 wurde ein deutliches Defizit auf dem Weltmarkt berichtet. Die ICCO bezifferte das Vorjahresdefizit mit 492.000 Tonnen.
Warum könnten höhere Preise eine Chance sein?
Höhere Weltmarktpreise können Kakaobäuer*innen mehr Spielraum geben: für neue Bäume, Pflanzenschutz und bessere Entlohnung. Sie tun es nicht automatisch. Über Jahrzehnte war Kakao oft sehr günstig. Ob ein Aufschlag ankommt, hängt vom Handelsmodell ab – etwa davon, ob über Kooperative, Direkthandel oder ein zertifiziertes System gezahlt wird.
Was bedeutet das für uns als Schokoladenliebhaber*innen?
Wir müssen uns auf teurere Schokolade einstellen. Rezepturen können sich ändern. Kleine Manufakturen spüren Preisschwankungen oft stärker. Gleichzeitig entstehen neue Geschmacksideen. Wir schauen uns im Sortiment weiter um.
Was Du tun kannst
Bewusster genießen heißt hier vor allem: Herkunft angucken. Statt nach einer pauschal „fairen und nachhaltigen“ Schokolade zu suchen, helfen prüfbare Angaben am Produkt:
- ein aktuelles Siegel wie Fairtrade oder EU-Bio auf der konkreten Tafel
- eine nachvollziehbare Herkunftsangabe zu Kooperative, Farm oder Region
- ein dokumentiertes Einkaufsmodell, etwa Direkthandel oder Bean-to-Bar mit benannter Quelle
- ein aktueller Transparenz- oder Fortschrittsbericht der Marke
Keine dieser Angaben bewertet die gesamte Tafel. Sie machen einzelne Schritte überprüfbar. Genau das ist der Unterschied zu einem allgemeinen Versprechen.
Kurz erklärt
Die Markt- und Preisangaben im Update stammen von der ICCO bzw. aus der Börsenberichterstattung zum genannten Datum. Sie sind keine Prognose. Empfehlungen beziehen sich auf erkennbare Siegel und Einkaufsmodelle, nicht auf eine pauschale Nachhaltigkeitsbewertung.




